Jetzt ist es so weit. Die spinnen, die Grünen :)
Da kommt so eine Idee daher, copyright
Ingrid Benedikt, von einer
Umwelt-Woche. Und wären wir nicht in Dornbirn, dann hätte es vielleicht geheissen: "nein, leider nicht - ist nicht im Budget vorgesehen".
Aber wer Millionen in Tiefgaragen verbuddelt, wer mit zwei Autobahnanschlüssen im Stadgebiet nicht das Auslangen findet, einen dritten baut und einen vierten gedanklich schon vorausplant, der muss sich auch mal bewegen, wenn wir Grünen etwas in die Welt setzen.
Nun, wir SIND in Dornbirn daheim, wo nach Bgmstr.diktion die Besten zuhause sind, und daher heisst das Werk gleich
WELT-Umwelt-Woche, und verspricht wirklich so einiges:
Vom 1. bis 7. Juni dreht sich der Präsentierteller rund um die Dornbirner Aktivitäten im Bereich Umwelt: Von Dauerausstellungen über Führungen bis hin zu Vorträgen, Workshops und Diskussionen ist alles vertreten, was zu einer umfassenden Leistungsschau dazu gehört.
Zum Programm verweise ich
auf diesen Link, und wünschte, ich hätte noch zwei oder drei Klone von mir zuhause, damit ich auch wirklich alles anschauen könnte...
Der Winter ist vorbei und seit ca. 1 Woche dürfen wir Autofahrerinnen ohne schlechtes Gewissen die Winterreifen durch Sommerreifen ersetzen. Ungefähr zum selben Zeitpunkt ist in Dornbirn jedes Jahr der Frühjahrsputz angesagt. Entlang der städtischen Fliessgewässer krabbeln 100e Freiwillige und säubern Ufer und Bachbetten vom Dreck des vergangenen Jahres.
Wir Grünen waren auch wieder mal mit von der Partie und freuten uns über ein ausnahmslos gutes Wetter, angenehme Temperaturen und feinste gebratene Schüblinge im Werkhof nach getaner Arbeit. Weniger erfreulich waren wie immer die diversen überraschenden Funde im Bachbett. Einen Müllerbach ohne verrostete Fahrräder gab's wohl noch nie und werde ich vermutlich auch nicht mehr erleben.
Übrigens: Heuer haben wir auffallend viele Batterien gefunden - klein, leicht und ebenso simpel zu entsorgen möchte man meinen. Doch leider auch ziemlich giftig, wenn sie der Natur ungeschützt zugeführt werden...
ja sicher, es gibt interessantere dinge, als den beschluss von beiträgen für städtische vereine in dornbirn. aber es gibt momente, wo man sich etwas von der seele schreiben muss, auch wenn es nur um ein paar tausend euro geht:
letztens im stadtrat wurde die förderung der lokalen seniorenvereine beschlossen. zur abstimmung kam ein oppositioneller antrag um erhöhung der förderung von 1 auf 3 euro pro registriertem mitglied.
bekannterweise gibt es zwei grössere seniorenorganisationen - eine schwarz, eine rot; beide sehr aktiv und mit ungefähr gleich vielen mitgliedern. als grüner stadtrat darf man in so einem fall eine gewisse überparteilichkeit für sich in anspruch nehmen. wir stehen jedenfalls nicht im verdacht, uns mit einer grünen seniorengruppe um öffentliche gelder zu bemühen.
jedenfalls wurde nach kurzer hitziger diskussion abgestimmt: erhöhung abgelehnt mit 6 gegen 3 stimmen.
vielleicht sollte man noch erwähnen, dass der 9-köpfige stadtrat mit exakt 6 övp-mitgliedern bestückt ist. in zeiten wie diesen, wenn der bürgermeister gerade mal seinen absoluten machtrausch auslebt und oppositionelle anträge zur stadtvertretung nicht einmal auf die tagesordnung nimmt, sollte man vorsichtig sein - schliesslich handelt es sich ja um nicht-öffentliche sitzungen...
p.s.: falls jemand auf die idee kommen könnte, die reiche stadt dornbirn wäre durch eine seniorenförderung in ihren finanziellen grundfesten gefährdet, dem sei noch nachgeschoben, dass es um den stolzen betrag von ca. 4.000 euro ging, den diese erhöhung ergeben hätte. für 2.000 aktive und sozialkapitalkonforme seniorinnen und senioren. umgerechnet also ca. 0,12 tiefgaragenplätze.
mein letzter eintrag: nach der wahl von platz 4 und 5 tut sich ja nicht mehr ernsthaft viel...
karin betont in ihrer rede ihre zahlreichen leistungen in der letzten legislaturperiode. selber sieht sie sich aber auch als "bezirksabgeordnete", die verstärkt auch regionale themen in und um bludenz aufgegriffen hat (kennt jemand "nofatnom" ?).
das gerangel um platz 4 war dann doch nicht so grandios - haydar aydemir kam nochmal kurz ans podium und erklärte seine arbeit mit und bei den grünen ab sofort für beendet. ich wage mal die prognose, dass er sich demnächst auf einer nbz-liste wiederfinden könnte. nun gut, ich bin nicht das orakel von delphi, aber wer weiss das eigentlich schon - vielleicht bin ich's ja doch :)
ergebnis: platz 4: karin fritz mit 93% der delegiertenstimmen
nun steigt vahide aydin (dornbirn) in den ring: das 5. mandat ist nach offizieller zählweise ein sogenanntes "kampfmandat". damit ist meiner meinung nach jedoch noch nicht viel gesagt - erstens sind auch die 4 jetzigen grünen mandate noch NICHT fix erreicht, zweitens könnte man genausogut das 6. mandat als kampfmandat bezeichnen, weil den grünen nur ganz wenige stimmen auf das 5. mandat fehlen.
vahide betont neben ihrer funktion als migrantensprecherin auch klar, dass sie sich nicht auf das migrantenthema reduzieren lassen wird. nach nervösem anfang läuft sie zu einer hochform auf, die nur knapp an der kategorie "standing ovations" vorbeischrammt. erstmals gibt's im saal eine echte begeisterung. mit so einer stimmung können die wahlen kommen - wir sind gerüstet!
ergebnis: platz 5: vahide aydin mit 99% der delegiertenstimmen - REKORD !!!
bye bye - bis zum nächsten blog-eintrag. soll nicht heissen, dass nicht noch interessante leute kämen: dominik bartenstein (bregenzerwald) und lea slana (hard), um nur zwei besondere persönlichkeiten hervorzuheben.
es ist nicht gerade ein match der kategorie elton vs. simon zu erwarten, aber zumindest gibt's jetzt die erste konkrete aus-"wahl" für die landesliste:
haydar aydemir plädiert für den ersten migranten im vorarlberger landtag. wo er sicherlich recht hat, ist die tatsache, dass keine andere partei migranten in den landtag entsenden wird. entweder man schafft's mit den grünen, oder die migranten werden noch länger "draussen" bleiben (dazu später noch bei der kandidatur um platz 5).
bernd bösch konzentriert sich auf seine spezialgebiete wirtschaft und energiewende. sein luschnouarisch versteckt er zwar etwas, aber dafür glänzt er mit ein paar echt humorigen sätzen - da schmerzt das gute wetter draussen gleich etwas weniger :)
ergebnis: platz 3: bernd bösch mit 81% der delegiertenstimmen
karin fritz kandidiert nun um den 4. platz - mal sehen, ob haydar als unterlegener aus der vorwahl später noch einmal antreten will...
heute findet die grosse grüne listenwahl zum vorarlberger landtag statt. das wetter draussen ist "katastrophal" gut, der besucherandrang dennoch recht imposant.
anders formuliert: für all jene, die an diesem sonnigen samstag nachmittag besseres zu tun haben, werde ich ein paar kurzmeldungen zu den listenplätzen durchgeben:
johannes startet mit einer umfassenden rede in den ersten wahlgang. was mir besonders auffällt, ist der einhellige applaus der knapp 90 delegierten beim nebensatz "schwul sein ist keine krankheit". ist schon ernsthaft traurig, dass wir im jahre 2009 so etwas noch öffentlich verkünden müssen, weil es bei uns immer noch katholoide gegenstimmen zu dieser ansicht gibt.
ergebnis: platz 1: johannes rauch mit 93% der delegiertenstimmen
mit einem seitenhieb auf die "ortnersche one-man-show", wie in den vn gerne geschreiben wird, startet die nr. zwei katharina wiesflecker in ihre rede.
ansonsten dominieren bei ihr die themen kinderbetreuung, pflege, armut und recht deutlich auch: frauen bzw. benachteiligungen.
ergebnis: platz 2: katharina wiesflecker mit 92 % der delegiertenstimmen
nun warte ich gespannt auf das duell um platz 3 zwischen bernd bösch (lustenau) und haydar aydemir (höchst): endlich eine echte "wahl", denn zum wählen bzw. auswählen braucht man halt auch eine auswahl... im konkreten fall wage ich allerdings die prognose, dass es ein sehr deutliches ergebnis geben wird. mehr dazu im nächsten beitrag.
falls schon mal jemand daran gezweifelt hätte, dass der öffentliche verkehr seine existenz ausschliesslich dem umweltschutz verdankt, dem sei die neueste studie des vcö zum thema öpnv ans herz gelegt:
"soziale aspekte von mobilität" widmet sich einem detail, das in den anfängen des öffentlichen verkehrs zu beginn des 20. jahrhunderts ganz klar im vordergrund stand:
der öffentliche verkehr war das ideale fortbewegungsmittel der massen. die städte wuchsen, die entfernungen zu den arbeitsplätzen ebenfalls und einen motorisierten individualverkehr gab es so gut wie keinen.
danach kam der siegeszug des österreichers liebsten vierrädlers und es braucht offenbar eine veritable krise, um zu begreifen, dass man mit strassen- und tiefgaragenbauten keine mobilitätsprobleme nachhaltig lösen kann.
"Wir sollten diese Win-Win Situationen nützen: Arbeitsplätze schaffen, Mobilitätsarmut bekämpfen, die Geldbörse Einkommensschwächerer entlasten und Luftverschmutzung reduzieren. Um Mobilität auch für die sozial Schwächsten zu ermöglichen, sind der Linzer Aktivpass oder der Wiener Mobilitätspass vorbildlich" (sozialexperte schenk)
irgendwie gefällt mir das als grüner, dass man nicht immer das böse co2, den feinstaub und die klimaerwärmung erwähnen muss, um dem öffentlichen verkehr zu einer renaissance zu verhelfen. während sich die internationalen finanzwolken weiter zusammenbrauen und auch die vorarlberger wirtschaft in ihren abwärtsstrudel hineinziehen, sollten wir uns verstärkt dem ausbau der öffis widmen.
Ein gut besetzter Linienbus verursacht pro Fahrgast nur etwa 10–25 % der Treibhausgas-Emissionen eines gut besetzten Autos und nimmt obendrein erheblich weniger Straßenraum in Anspruch. Hinzu kommt beim MIV noch der Flächenverbrauch für den ruhenden Verkehr (Parken), der sehr hoch ist und oft bei vergleichenden Betrachtungen nicht berücksichtigt wird. (wikipedia "öffentlicher personennahverkehr")
die studie ist selbstverständlich beim VCÖ erhältlich: (01) 8932697,
vcoe@vcoe.at;
www.vcoe.at
april 2008: ein bewohner des pflegeheimes lustenauerstrasse ist durch die verschlechterung seiner pflegesituation derart enttäuscht, dass er sich trotz rollstuhl und multipler sklerose auf den weg in die dornbirner stadtvertretung macht und mit hilfe der grünen seine beschwerden dort anbringt, wo sie gehört werden MÜSSEN.
mai 2008: nix
juni 2008: nix
juli 2008: nix
august 2008: nix
september 2008: er schaltet den patientenanwalt des landes ein, da in den letzten monaten alles beim alten geblieben ist. seit 2 jahren wartet er auf das erste vollbad.
oktober 2008: nix
november 2008: nix
dezember 2008: alles im grünen bereich, antwortet der capo communale auf anfrage; sind doch nur einzelfälle
januar 2009: nix
februar 2009: der ORF nimmt sich zeit für eine berichterstattung zur pflege in dornbirn, weil ein paar mutige angehörige sich wagen, einen offenen brief an den bürgermeister zu richten
märz 2009: es wird evaluiert - eine allseits anerkannte unabhängige fachfrau wird die evaluation der pflegeheime leiten
weil ja auch einzelfälle evaluiert werden müssen ?
oder vielleicht ist es normal, dass städtische bedienstete angst haben, ihren job zu verlieren. und vielleicht ist es normal, dass hochbetagte pflegebedürftige bewohnerInnen in den allermeisten fällen zu wenig energie haben, um gegen eine stadt dornbirn aufzutreten. vielleicht ist das so. wer weiss.
dia tüfgarasch, des grosse loch,
dia isch so voll, as wundrat doch.
sie sei rentabel, würkle wohr
und koscht üs höchstens no zwanzg johr.
des goht jo schneall, mei sind mir froh
maschgoro maschgoro rollolo!
amtlich bestätigt, und schriftlich im gemeindeblatt nachzulesen:
die tiefgarage könnte in 20 (!) jahren rentabel sein. also die 19 jahre davor muss man davon ausgehen, dass der kleine grüne maxi richtig gerechnet hat und die kosten für errichtung und betrieb übersteigen klar und deutlich die einnahmen durch die (eh stark erhöhten) parkgebühren.
an dieser stelle einmal dank von grüner seite an den chef des dornbirner gemeindeblattes, dass er nach gezählten 50 presseaussedungen über die stadtgarage im jahr 2008 (quelle: bürgermeister o-ton beim neujahrsempfang der stadt dornbirn) auch einmal die grüne sichtweise darstellt. naja - jeder macht mal fehler... ;-)
was aber passiert in 20 jahren, wenn die tiefgarage "rentabel" geworden ist ?
- fahren wir in 20 jahren überhaupt noch autos ?
- fahren in 20 jahren vielleicht doppelt soviele kfz ?
- muss man in 20 jahren die tiefgarage generalsanieren (bei der "alten" kulturhausgarage war's jedenfalls so)
- heisst der bürgermeister in 20 jahren immer noch wolfgang ?
- heisst der stadtkämmerer in 20 jahren immer noch werner (das ist zum allgemeinen verständnis übrigens derjenige, der gemeint hat, die tiefgarage sei so rentabel, er würde sie sogar selbst mit eigenem geld bauen...)
wie dem auch sei, grob gerechnet kostet ein tiefgaragenplatz in etwa so viel, wie ein jahr gehalt für eine zusätzliche pflegehilfskraft in einem pflegeheim ihrer wahl. aber das ist eine andere geschichte...
zugegebenermassen - ich bin nicht unbedingt der grösste fan des faschings, aber einer freundlichen einladung zum dornbirner narraobod folge ich zumeist doch gerne. bekommt man doch neben amüsanten anekdoten und professionellen sketchen auch die wirklich wichtigen themen der stadt serviert. dass heuer vornehmlich der bau der tiefgarage durch den kakao gezogen wurde... nun, das ist eine andere geschichte.
unbemerkt von der medialen öffentlichkeit wurde ich zeuge einer zaghaften kulturellen revolution: zum ersten mal in der geschichte des narraobods nahm neben lechers, winsauers und co. auch ein "narr" türkischer herkunft auf der bühne einen platz ein - noch dazu heftig beklatscht vom publikum (um nicht zu sagen, er habe beinahe standing ovations bekommen).
jedenfalls sind es diese kleinen dinge, die den weg zur normalität ebnen. miteinander, nebeneinander, übereinander und untereinander - wie integration in zukunft aussehen wird, weiss ich nicht genau. eines ist mir aber klar: an der beteiligung der migranten an allen unseren einrichtungen führt kein weg vorbei. vor allem, wenn wir unsere standards halten wollen, denn da brauchen wir von allen die besten.
genau wie bei der dornbirner polizei, wo seit beginn dieses jahres der erste polizeianwärter türkischer herkunft seinen dienst versieht.
auch bürgermeister können über schatten springen :)